" Ich bin Sängerin und sonst gar nichts"

Wer sie auf der Bühne gesehen hat, wo sie sich meist in großer Robe präsentiert, hält sie für kühl, distanziert, manieriert. Wer sie von den Platten kennt, findet sie temperamentvoll, leidenschaftlich, warmherzig. Aber jeder hat den Eindruck, dass so nicht die wahre Milva ist. Zur allgemeinen Verwirrung trägt bei, dass sie vom Gassenhauer bis zur Neutöner-Oper schon alles gesungen hat. Dazu gehört eine gewaltige Stimme, Mut und Können. Das alles hat Milva.

Damit hat sie sich herausgesungen aus der Armut und der proletarischen Umgebung, in die sie am 17. Juli 1939 hineingeboren wurde. Sie war 16, als ihr Vater seinen Verdienst verlor und sie mitsorgen musste für den Unterhalt der Familie. Erst tingelte sie durch Vorstadtkneipen, dann gewann sie gegen 7600 Mitbewerber einen Nachwuchswettbewerb des italienischen Rundfunks. Das war das Ende der finanziellen Not und der Beginn einer Karriere. Am Anfang sang sich das Kind aus dem Volk mit populären Schlagern in die Herzen der Italiener. Sie nannten das magere Mädchen wegen seiner großen Gesten und seines opulenten Organs "La Pantera" (Panther). Eine irreführende Bezeichnung, denn eine unberechenbare Wildkatze war Milva nie. Eher ein ungeschliffener Edelstein. Der erste, der ihr Facetten verlieh, war der Fernsehregisseur Maurizio Corgnati, den Milva mit 23 heiratete. Er interessierte sie für Literatur und Politik. Aus "La Pantera" wurde die "rote Milva" "La Rosa", die "Lieder der Freiheit" sang. Doch das öffentliche politische Engagement gab sie bald enttäuscht auf. Wer heute noch von "La Rossa" spricht, denkt an ihre rote Haarmähne. Der nächste Mann, der Milva formte, war der berühmte italienische Theaterregisseur Giorgio Strehler. Drei Jahre spielte und sang sie die Jenny in seiner "Dreigroschenoper". Dafür büßte sie die Beliebtheit beim Volk ein und erwarb die Bewunderung eines intellektuellen Publikums.

Mit ihren Brecht-Interpretationen begann ihr Durchbruch in Deutschland. Heute fragen viele: "Was, sie spricht auch italienisch?" So sehr gilt sie hierzulande schon als deutsche Sängerin. Nicht zu Unrecht, schließlich verkaufte sie in Deutschland mehr Platten als in jedem anderen Land. Jahr für Jahr ersang sie sich bei uns eine Goldene Schallplatte, und ihre deutschen Texte wurden ihr maßgeschneidert von Thomas Woitkewitsch, der auch für Hermann van Veen geschrieben hat. Unsere Sprache beherrscht sie dennoch nicht. Sie spricht ein wildes Kauderwelsch aus Italienisch, Französisch, Englisch und Deutsch. So macht sie sich hervorragend verständlich, ohne viel von sich zu verraten.

Aber wer ist Milva?
Kann sie auch Lachen und Weinen, Lieben und Hassen? Oder ist sie ein ängstliches kleines Mädchen geblieben, während sie zur großen Sängerin wurde?

Fragen an die Künstlerin:

Was ist Ihnen wichtiger: dass Ihr Publikum Sie liebt oder dass es Sie wegen Ihrer Kunst bewundert?
Wenn es mich als Künstlerin akzeptiert, dann liebt es mich auch. Es gibt Persönlichkeiten, die beliebt sind, die einfach "ankommen". Und es gibt andere, deren Können man anerkennen muss, die einen aber kalt lassen.
Ich glaube, bei mir mischen sich Popularität und Anerkennung.

Kann es sich auch geändert haben: Am Anfang hat man Sie geliebt, jetzt bewundert man Sie?
Ich schiele nicht nach dem Publikum. In erster Linie arbeite ich für mich, ich bin mein Maßstab. Ich will gut sein.

Das ist Ihnen wichtiger als Liebe?
Wenn ich gut bin, muss man mich lieben. Dann gibt es einen Dialog mit dem Publikum. Doch, doch, da kommt Resonanz. Die brauche ich auch, um weiterzumachen. Um mich verausgaben zu können.

Das tun Sie offenbar immer. Wie fühlen Sie sich nach einem Konzert?
Tot. Erledigt. Leer.

Und was tun Sie, um wieder zu sich zu kommen?
Sofort danach? Ein paar Minuten gar nichts. Dann fahre ich nach Hause oder in mein Hotel. Auf gar keinen Fall gehe ich aus. Ich muss mich mit ganz alltäglichen Kleinigkeiten beschäftigen, um mich abzulenken: Ich räume auf, hänge Sachen in den Schrank, nähe Knöpfe an.

Nach dem großen Auftritt Alltagsbeschäftigungen. So finden Sie zu sich?
Genau. Am besten entspanne ich mich zum Beispiel beim Waschen. Wenn ich unterwegs bin und im Hotel wohne, wasche ich jeden Abend im Handwaschbecken meine persönlichen Sachen: Büstenhalter, Schlüpfer, Strümpfe. Das ist ein richtiges Ritual. Ich bin so pingelig im Kleinkram. Alles muss an seinem Platz liegen, jeder Stapel muss exakt ausgerichtet sein - ja, ich bin schon übertrieben ordentlich.

Pedantisch?
Vielleicht krankhaft, ja. Eine idiotische kleine Marotte. Aber ich hasse nun einmal zerknitterte Kleider.

Sie suchen Perfektion?
Immer - si.

Vielleicht findet man Sie deswegen oft kühl?
Ah, das ... das kommt durch die Brecht-Lieder. Die muss man so singen. Brecht wollte, dass man Distanz hält. Wenn ich die Jenny singe, muss ich vergessen, wer Milva ist.


Das hat Ihnen Giorgio Strehler beigebracht?
Si. Er hat mich total verändert, hat mein ganzes Leben umgekrempelt.

Wie kam es dazu?
Das war auf einer Veranstaltung zum 20. Jahrestag der Widerstandsbewegung. Ich sang "Lieder der Freiheit". Auch einen Brecht-Song: die Parodie auf das Horst-Wessel-Lied. Strehler war unter den Zuschauern. Er schickte mir jemanden: Ich solle noch mehr von Brecht einstudieren und ihm vorsingen. Eine Woche später war es soweit. Auf der Bühne des Piccolo Teatro an der Scala trug ich die Seeräuber-Jenny vor. Sie müssen sich das vorstellen - ich, die kleine Schlagersängerin, spiele diesem großen Theatermann vor. Nach dazu saß er im Dunkeln. Terrible! Erst als das Licht anging, sah ich Strehler zum ersten Mal. Er sagte:, Gut, kannste machen". Und dann habe ich drei Jahre lang die "Dreigroschenoper" gemacht. Es hat mich innerlich und äußerlich verändert.

In welcher Beziehung?
Ich bekam Selbstvertrauen, das war das Wichtigste. Ganz allmählich ging das, als würde ich wachsen. Ich merkte, dass ich mich auf der Bühne bewegen kann, dass ich dem Publikum etwas geben kann. Das eröffnete mir ganz neue Möglichkeiten. Plötzlich fing ich an, meine Arbeit zu lieben. Bis dahin war alles nur Broterwerb.

Ist Ihnen die Theaterarbeit am liebsten?
Nicht unbedingt. Naturalmente - da gibt es so nostalgische Gedanken an die Theaterzeit. Weil man da in der Gruppe kreativ war. Aber am liebsten ist mir immer das, was ich gerade mache. Ein Liederabend oder sogar ein Disco-Auftritt kann genauso interessant sein. Heute! Weil ich heute bestimmen kann, was ich mache.

Hat Strehler Sie auch privat beeinflusst?
Nur beruflich. Privat war gar nichts. Ich war noch nicht einmal mit ihm zum Essen.

Aber Strehler ist nicht der einzige Mann, dem Sie etwas zu verdanken haben? Auch andere waren an Ihrer Entwicklung beteiligt?
Naturalmente, mein Mann - Maurizio Corgnati. Ohne ihn wäre ich nie so weit gekommen, dass Strehler sich überhaupt für mich interessiert hätte. Maurizio lernte ich kennen, als ich gerade den Schlagerwettbewerb gewonnen hatte. Er war Fernsehregisseur und sollte eine Show mit mir machen. Als er mich sah - kurze schwarze Haare, ganz mager, ganz in schwarz -, sagte er nur "Teppa". Teppa - das bedeutet soviel wie Zahnstocher. Ein Kompliment war es jedenfalls nicht. Aber als ich dann "Mylord" von Edith Piaf sang, meinte er: "Ungewöhnliches Talent." Und dann guckte er mich immer so an. Ich dachte: "Was will der Alte von mir?" Er war 42, über 20 Jahre älter als ich! - Sechs Monate später haben wir geheiratet.

Was war passiert? Waren Sie so beeindruckt oder hatten Sie sich verliebt?
Weder noch. In erster Linie suchte ich einen Ersatz für meine Mutter, jemand, der mich wieder unter die Fittiche nimmt. Bis zu Beginn meiner Karriere hatte sie für alles gesorgt. Jetzt fand ich bei Maurizio alles, was ich brauchte: Zuneigung, Sicherheit, Schutz. Natürlich war ich auch verliebt. Er war ein schöner Mann. Und sprach von einer Welt, die ich nicht kannte.


Er war ein Intellektueller?
Und ein Großbürger. Seine sieben Brüder sind alle Notare, Rechtsanwälte, Ärzte. Ich dagegen komme aus einer sehr armen, proletarischen Familie, bin nur zur Volksschule gegangen. Maurizio hat nur beim Fernsehen gearbeitet, um Geld zu verdienen. Seine wahre Leidenschaft galt der Literatur und der Malerei. Jeden Tag hatten wir seine Freunde bei uns zu Hause: Literaten, Musiker, Bildhauer, Maler. Ich saß da und habe immer nur zugehört - zwei, drei Jahre lang.

Haben Sie da keine Minderwertigkeitskomplexe gehabt?
Und wie. Aber nur am Anfang. Ich war sehr aufnahmefähig. Und mein Mann war sehr geschickt. Er hat nie irgendeinen Zwang auf mich ausgeübt, er gab mir immer nur Anregungen. So hat er mich langsam, langsam verändert. Ich habe ihn sehr geliebt...

Trotzdem haben Sie ihn verlassen?
Si. Maurizio war soviel älter als ich, mit ihm musste ich ein "erwachsenes" Leben führen. Eigentlich war ich nie richtig jung. Was andere so mit 17 machen - sich verlieben und bedenkenlos amüsieren -, das habe ich nie erlebt. Bis ich Mario Piave traf. Da war ich knapp 30, und er war genauso alt. Mit ihm habe ich meine Jugend nachgeholt.

Er war Ihre große Leidenschaft?
Si.

Da ging es in erster Linie um Sex?
Nur. Nur um Sex. Und das war zuwenig. Es waren fünf furchtbare, schwierige Jahre mit ihm. Ich wollte, dass daraus eine richtige Beziehung wird, aber das ging nicht. Er war wahnsinnig labil. Ich war stärker als er, aber ich wollte es nicht wahrhaben. Ich wollte die Schwächere sein.

Typisches Rollenverhalten. Als Sie das merkten, haben Sie Schluss gemacht?
Ich musste, sonst wäre ich verrückt geworden. Das wurde mir klar, als ich von ihm getrennt war. Ich war auf Tournee in Japan und rief ihn an, um es ihm zu sagen. Er drehte durch, versuchte zweimal, sich das Leben zu nehmen. Einmal schluckte er Schlaftabletten und rief mich an, um mir zu sagen, dass er nun sterben würde. Da habe ich ihm von Tokio aus per Telefon die Ambulanz ins Haus geschickt und er wurde gerettet. Aber es war ein Riesenskandal, die Zeitungen waren voll davon. Terrible...

Das hat Sie so verschreckt, dass Sie wieder in die Arme eines Intellektuellen geflüchtet sind? Zu jemanden, der Ihnen Ruhe und Sicherheit bietet?
Massimo?

Ob ich den gesucht habe? Es ergab sich so. Ich kannte ihn schon vor Mario, er schrieb fürs Theater. Er hatte sich zuerst in mich verliebt. Er war sehr rational und ruhig, ganz das Gegenteil von mir. Bei ihm habe ich gelernt, dass Liebe nicht aufregend und anstrengend sein muss, dass sie auch still und harmonisch sein kann.

Störte es ihn, dass Sie berühmt sind und soviel verdienen?
Nein. Er kam aus einer wohlhabenden Familie, finanzielle Probleme kannte er nicht. Die einzige Schwierigkeit für ihn war es, dass ich meine Arbeit nicht aufgeben will. Er hätte gern eine Familie gründen, wollte Kinder haben. Ich nicht.

Warum konnten Sie sich nicht vorstellen, mit dem Singen aufzuhören?
Weil das mein Leben ist. Das bin ich! Da habe ich mich weiterentwickelt, da habe ich etwas erreicht. Warum soll ich das denn aufgeben? Warum ich? Warum immer die Frau? Ich liebe meine Arbeit, sie ist mir wichtiger als alles andere.

Wie sieht denn ein ganz normaler Tag bei Ihnen zu Hause aus?
Wie bei jeder anderen Frau. Ich bin keine Diva, die auf dem Diwan liegt und sich bedienen lässt. Mein Leben ist Bewegung, ich muss immer etwas tun. Ich bespreche das Essen mit meiner Haushälterin Elvira und ich fahre mit dem Rad zum Einkaufen.

Lebensmittel?
Nie. Dafür ist Elvira zuständig.

Aber Sie kochen?
Nie. Ich hasse Kochen. Abends wärme ich auf, was Elvira vorbereitet hat.


Laden Sie sich nie Freunde ein - zum Essen und zum Reden?
Am liebsten bin ich allein. Mir reicht es, wenn ich aus beruflichen Gründen ausgehen muss. Außerdem ist es in dieser Branche schwer, Freunde zu haben.

Haben Sie überhaupt Zeit für Freunde?
Wenn ich arbeite, bin ich so unruhig, dass ich niemanden ertragen kann. Wenn ich nicht arbeite - aber das ist selten -, treffe ich tagsüber meine Freunde. Abends bleibe ich grundsätzlich zu Hause. Ich sehe fern, höre Musik.

Wozu brauche Sie denn Ihre Freiheit?
Für ganz simple Dinge, zum Beispiel um mit Lockenwicklern ins Bett gehen zu können. Ich bin einfach gern allein. Ich will in Ruhe meine Tagezeitungen lesen, meinen Proust, mein Virginia Woolf. Ich will morgens das Fenster öffnen und die Sonne hereinlassen können, und ich will nicht auf Zehenspitzen gehen, um jemanden im Schlaf nicht zu stören.

Sind Sie prüde?
Wie alle Italienerinnen. Über Sex wurde in unserer Familie nicht gesprochen, das war Tabu. Als ich meinen Mann verließ, brach für meine Mutter ihre kleine bürgerliche Welt zusammen. Für sie war Sex immer die Hölle.

Das Verhältnis zu Ihrer Mutter war ungewöhnlich eng?
Sie war sehr wichtig für mich. Bis zu meinem 17. Lebensjahr schlief ich noch mit meiner Mutter in einem Bett. Nur bei ihr habe ich mich sicher gefühlt vor dem Tod. Als Mädchen hatte ich irrsinnige Angst vor dem Tod, ich habe immer ans Sterben gedacht.

Gab es dafür eine Anlass?
Ich bin dem Tod sehr früh begegnet. Unter meinem Zimmer schlief eine Tante, eine Tschechin. Sie schrie und stöhnte immer in der Nacht, und eines Tages war sie tot. Da war ich fünf, und ich wollte nur, dass der Tod möglichst schnell aus unserem Haus verschwindet. Dann erinnere ich mich noch an eine Cousine, die mit elf gestorben ist. Ich weiß noch, dass ihre Mutter im Morgengrauen aus der nahen Stadt zu uns ins Dorf kam und in diese stille Landschaft hineinschrei: "Ina ist tot - Ina ist tot!" Das werde ich nie vergessen.

Was sagte Ihr Vater dazu, dass Ihre Mutter immer bei Ihnen schlief?
Er fand das furchtbar und pochte auf seine Rechte. Aber wenn meine Mutter mir morgens sagte, "Heute muss ich mal bei Vater schlafen", dann ging´s mir den ganzen Tag schlecht. Ich habe nur an den Abend gedacht, wie ich es anstellen könnte, dass meine Mutter doch bei mir schläft. Es gab eine Verbindungstür zwischen den beiden Schlafräumen. Da bin ich dann aufgestanden und zur Toilette gegangen, einmal, zweimal, dreimal - siebzehnmal. Bis meine Mutter kam und wissen wollte was los ist. Dann blieb sie ...

Schlief Ihre Tochter auch immer bei Ihnen?
Nein. Ich wollte nicht, dass sie in die gleiche Abhängigkeit gerät. Aber Martina hat auch einen ganz anderen Charakter als ich. Sie ist stark und selbstbewußt. Sie führt ihr eigenes Leben ...

... so, wie Sie Ihr Leben führen?
Ich weiß, das hat sie mir eine Zeitlang übelgenommen. Martina hat sehr unter der Trennung vom Vater gelitten. Sie lebte dann bei meiner Familie, und ich war immer unterwegs. Erst nachdem sie zu mir nach Mailand gezogen ist, hat sich unser Verhältnis gebessert. Da hat sie erkannt, dass Ihr Vater nur ein Mensch und kein Mythos ist.

Sie hat also auch Ängste?
Ja, aber ganz konkrete. Sie hat Dinge erlebt, die sie unsicher gemacht haben. Meine Ängste dagegen waren immer ganz irrational.

Dennoch bestehen Sie heute darauf, allein zu schlafen?
Weil ich stabilisiert bin. Aber ich denke immer noch an den Tod.

Haben Sie Angst davor?
Das hat jeder. Ältere Menschen vielleicht weniger. Meine Mutter ist jetzt fünfundneunzig, sie gewöhnt sich an den Gedanken ans Sterben. Sie ist zwar keine Philosophin, aber sie hat ganz weise Sprüche: "Wer stirbt, lebt in Frieden weiter."

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?
(nach langer Pause) Nein. Obwohl.... Manchmal spreche ich mit meinem Vater, der seit vielen Jahren tot ist. Ich spreche ganz offen über ganz alltägliche Dinge zu ihm. Ich habe meinen Vater sehr geliebt. Die Beziehung zu meiner Mutter war sicher inniger, aber er war mein Idol: fern und unerreichbar, meistens war er unterwegs.

Was macht Ihnen sonst noch Angst?
Krankheit. Weil man das nicht beeinflussen kann. Auch vor dem Alter habe ich Angst, wenn es mit Krankheit verbunden ist. Und vor Gewalt. Die ganze Welt ist jetzt voller Gewalttätigkeit. Es scheint, als ob es keine guten Beziehungen mehr gibt.

Ist Ihnen finanzielle Sicherheit wichtig?
Sehr. Weil ich schon als junges Mädchen Chef der Familie war und Geld für das tägliche Leben heranschaffen musste. Das Geld selbst interessiert mich weniger, es macht mir auch Spaß, es auszugeben. Aber ich denke an die Zukunft.

Sind Sie glücklich?
Glück gibt es nicht. Das ist nur ein Wort. Es gibt nur wenige Momente - zusammengenommen vielleicht eine Woche im Jahr -, wo man denkt, dass man glücklich ist. Aber ich bin zufrieden. Ich habe alles im Griff.

Meinen Sie den Beruf?
Naturalmente. Ich bin heute in der Lage - und das ist am wichtigsten für eine Frau - mir auszusuchen, was ich machen will. Ich kann ja und nein sagen. Was soll ich mir mehr wünschen.

Gibt es nichts, was Sie in Ihrem Leben noch erreichen möchten?
Ich will ein ruhiges, einfaches, humanes Leben führen. Keine Sensationen - um Gottes willen, bloß keine Sensationen.


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